Ich dachte, das müsste sich anders anfühlen

Ich dachte, das müsste sich anders anfühlen

Über den Moment, in dem man bekommt, was man wollte. Eine Kolumne von Kat Roi.

Es gibt diese Momente, auf die man lange hinarbeitet. Einen neuen Job. Die Selbstständigkeit. Eine Beziehung. Das Haus. Die Reise. Das Zielgewicht.

Und dann kommt dieser Moment tatsächlich.

Man steht genau dort, wo man hinwollte, schaut sich um und wartet fast ein bisschen darauf, dass etwas passiert. Dass sich etwas verändert. Dass man sich verändert. Und manchmal denkt man stattdessen: Ich dachte, das müsste sich anders anfühlen.

Wir sind erstaunlich gut darin, Gefühle in die Zukunft zu verschieben. Wir verbinden sie mit dem nächsten Ziel, der nächsten Entscheidung oder dem nächsten Meilenstein und hoffen, dass dort endlich das Gefühl auf uns wartet, nach dem wir gesucht haben.

Oft fühlt sich ein großer Schritt erstaunlich normal an. Und vielleicht liegt genau darin die Überraschung.

Der erwartete Moment

Nimm ein Blatt Papier und einen Stift und denke an etwas, das du dir früher unbedingt gewünscht hast. Etwas, von dem du überzeugt warst, dass es dein Leben verändern wird. Schreibe in die Mitte des Blattes auf, was das war.

Rundherum notierst du alles, was du damals damit verbunden hast. Hoffnungen, Erwartungen, Vorstellungen oder Gefühle, die du dir davon versprochen hast. Danach schreibst du auf, was tatsächlich daraus geworden ist. Oft entsteht dabei kein Vergleich zwischen richtig und falsch, sondern ein Blick darauf, wie viel Leben zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegt. Manche Erwartungen haben sich erfüllt, andere nicht. Manche Dinge wurden wichtiger als gedacht, andere überraschend nebensächlich. Und manchmal wird dabei sichtbar, dass man längst Dinge erreicht hat, die früher einmal Zukunft waren.

Material: Papier und Stift. Zeit: etwa 5 Minuten.


Über die Autorin: Kat Roi ist Künstlerin, Designerin, Kunsttherapeutin und psychosoziale Beraterin und betreibt ein Atelier in Polling in Tirol. Mit künstlerischen Methoden bringt sie mehr Fülle in den Alltag. Mehr auf Instagram: @atelieroi.

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Über die RedaktionAkademie für Lebendigkeit

Das Magazin der Akademie für Lebendigkeit. Hier erscheinen Kolumnen und Impulse von Miriam, Alexandra und wechselnden Gastautorinnen rund um Lebendigkeit, Körper, Bewusstsein und Business. Gastbeiträge sind im Text gekennzeichnet.