Über die Arbeit, an die immer jemand denken muss. Eine Kolumne von Kat Roi.
Es gibt erstaunlich viele Dinge, die scheinbar von selbst passieren. Geburtstagsgeschenke werden rechtzeitig besorgt, Wechselkleidung landet im Kindergarten, Termine stehen im Kalender, die Zahnpasta ist selten wirklich leer und irgendjemand weiß sogar, wann die nächste Impfung ansteht.
Hinter diesem „von selbst“ steckt meistens ein Kopf, der all diese Dinge gleichzeitig im Blick behält. Einer, der vorausdenkt, erinnert, nachfragt, plant und nebenbei bemerkt, dass die Schuhe bald zu klein werden. Diese Arbeit ist kaum sichtbar, weil sie oft erledigt wird, bevor jemand merkt, dass etwas zu tun war.
Noch immer landet sie erstaunlich oft bei Frauen. Sie organisieren den Alltag, behalten Bedürfnisse im Blick und erinnern andere an Dinge, die sie selbst längst im Kopf haben. Von außen wirkt das schnell wie Talent oder gute Organisation. Innen fühlt es sich eher an wie eine Liste, die niemals ganz geschlossen wird.
Das Erschöpfende daran sind oft weniger die einzelnen Aufgaben als die ständige Zuständigkeit. Zu wissen, was fehlt. Zu merken, was bald wichtig wird. Im Kopf schon drei Schritte weiter zu sein, während der Rest der Familie noch beim ersten steht.
Vielleicht braucht es zuerst einen ehrlichen Blick darauf, wer eigentlich dafür sorgt, dass alle Bescheid wissen. Diese Übung macht sichtbar, wie viel Platz diese unsichtbare Arbeit in deinem Kopf tatsächlich einnimmt.
Was ich alles im Kopf habe
Nimm ein Blatt Papier und zeichne in die Mitte einen großen Kopf. Schreibe rundherum alles auf, woran du in einer normalen Woche für andere denkst. Markiere danach alles, wofür du dich automatisch zuständig fühlst, obwohl diese Zuständigkeit nie bewusst besprochen wurde.
Schau dir dein Blatt einen Moment an. Welche Begriffe springen dir als Erstes ins Auge? Wähle anschließend einen davon aus und frage dich: Muss ich dafür wirklich allein verantwortlich sein? Notiere dir einen konkreten Schritt, mit dem diese Aufgabe in den nächsten Tagen sichtbar oder geteilt werden kann.
Veränderung beginnt oft nicht damit, alles anders zu machen. Sondern damit, eine Selbstverständlichkeit zum ersten Mal zu hinterfragen.
Material: Papier und Stift. Zeit: etwa 5 Minuten.
Über die Autorin: Kat Roi ist Künstlerin, Designerin, Kunsttherapeutin und psychosoziale Beraterin und betreibt ein Atelier in Polling in Tirol. Mit künstlerischen Methoden bringt sie mehr Fülle in den Alltag. Mehr auf Instagram: @atelieroi.
Das Magazin der Akademie für Lebendigkeit. Hier erscheinen Kolumnen und Impulse von Miriam, Alexandra und wechselnden Gastautorinnen rund um Lebendigkeit, Körper, Bewusstsein und Business. Gastbeiträge sind im Text gekennzeichnet.

