Über Tierkommunikation und das, was hinter dem Verhalten liegt. Eine Kolumne von Christina Thurnbichler.
Es gibt Momente im Leben mit Tieren, die uns tief berühren. Und es gibt Momente, die uns an unsere Grenzen bringen.
Vielleicht bellt dein Hund plötzlich in Situationen, die du nicht verstehst. Vielleicht zieht er sich zurück. Vielleicht reagiert er unsicher, angespannt oder laut. Vielleicht spürst du einfach: Da ist etwas. Aber du kommst mit dem Verstand nicht ganz hin.
Ich kenne dieses Gefühl sehr gut
Durch meinen eigenen Hund Max durfte ich erfahren, wie herausfordernd eine Mensch-Tier-Verbindung sein kann. Nicht, weil zu wenig Liebe da ist. Sondern gerade, weil so viel Liebe da ist.
Ich weiß, wie es ist, wenn man sein Tier ansieht und gleichzeitig Liebe, Hilflosigkeit, Zweifel und Hoffnung in sich trägt. Wenn man alles richtig machen möchte und trotzdem das Gefühl hat, nicht ganz zu verstehen, was wirklich los ist.
Max war und ist einer meiner größten Lehrmeister. Er hat mir nicht nur gezeigt, wie fein Tiere wahrnehmen, sondern auch, wie ehrlich sie spiegeln. Meine Unruhe. Meine Anspannung. Meine Unsicherheit. Aber auch meine Entwicklung, meine innere Stärke und meinen Mut, wirklich hinzusehen.
Lange dachte ich, ich müsste nur noch mehr lernen, noch mehr richtig machen, noch mehr verstehen. Doch irgendwann wurde mir bewusst: Manchmal geht es nicht darum, ein Verhalten möglichst schnell wegzubekommen. Manchmal geht es zuerst darum, hinzuhören.
Tierkommunikation bedeutet für mich nicht, Tiere zu vermenschlichen oder jede Herausforderung schönzureden. Sie ersetzt keinen Tierarzt, kein Training und keine therapeutische Begleitung. Aber sie kann eine ergänzende Ebene öffnen. Eine Ebene, auf der wir nicht nur fragen: „Wie bekomme ich das Verhalten weg?“ Sondern: „Was liegt darunter?“
Denn Tiere sprechen nicht nur mit Lauten. Sie sprechen mit ihrem Körper, mit ihrem Verhalten, mit ihrer Energie, mit ihrem Blick, mit ihrer Nähe und manchmal auch mit ihrem Rückzug. Oft zeigen sie uns etwas, lange bevor wir es mit dem Kopf verstehen können. Und genau dort beginnt für mich Verbindung.
Vielleicht ist dein Tier nicht schwierig. Vielleicht ist es dein Spiegel.
Nicht dort, wo alles perfekt läuft. Nicht dort, wo unser Tier immer so funktioniert, wie wir es gerne hätten. Sondern dort, wo wir bereit sind, mit offenem Herzen hinzuschauen.
Vielleicht ist dein Tier nicht schwierig. Vielleicht ist es sensibel. Vielleicht ist es überfordert. Vielleicht ist es dein Spiegel. Vielleicht trägt es etwas mit, das gesehen werden möchte.
Und vielleicht darfst du dir heute einmal diese Frage stellen: Wenn mein Tier mir etwas sagen könnte, was würde ich es fragen? Vielleicht wäre es: Was brauchst du gerade von mir? Wie geht es dir wirklich? Warum reagierst du in bestimmten Situationen so? Was darf ich besser verstehen? Was möchtest du mir zeigen?
Manchmal beginnt Heilung nicht mit einer großen Antwort. Sondern mit einer ehrlichen Frage. Vielleicht beginnt Verbindung genau dort, wo wir aufhören, unser Tier nur verändern zu wollen, und anfangen, ihm wirklich zuzuhören. Mit offenem Herzen. Still genug. Und voller Vertrauen.
Über die Autorin: Christina Thurnbichler begleitet mit Seelengespräche Menschen und Tiere durch Tierkommunikation, Tierenergetik und Mensch-Tier-Begleitung. Durch ihren eigenen Weg mit ihrem Hund Max weiß sie, wie es sich anfühlt, ein Tier über alles zu lieben und gleichzeitig an Grenzen zu kommen. Sie ist Autorin des Buches „Sei mutig. Sei du selbst.“ Mehr über ihre Arbeit auf www.seelen-gespraeche.at und auf Instagram: @seelengespraeche_hunde.
Das Magazin der Akademie für Lebendigkeit. Hier erscheinen Kolumnen und Impulse von Miriam, Alexandra und wechselnden Gastautorinnen rund um Lebendigkeit, Körper, Bewusstsein und Business. Gastbeiträge sind im Text gekennzeichnet.

