„Ich bin nicht mehr ich selbst.“
Das ist der Satz, den ich so oft von „meinen Frauen“ höre. Von Frauen, die auf dem Papier alles richtig machen. Die arbeiten, leisten, funktionieren. Die ihr Business aufgebaut haben, ihre Beziehungen pflegen, ihre Listen abhaken. Und trotzdem: Da ist etwas verloren gegangen.
Weißt du noch, wann du das letzte Mal etwas gewusst hast, bevor du es wissen konntest? Wann ein Bauchgefühl lauter war als jede Analyse? Wann du Nein gesagt hast, ohne dir danach selbst erklären zu müssen, warum? Das war sie. Die Wolfsfrau.
Clarissa Pinkola Estés hat ihr vor Jahrzehnten ein ganzes Buch gewidmet. Diese urtümliche, wilde, intuitive Kraft, die jede Frau in sich trägt. Durch Generationen von Anpassung, Brav-Sein und Funktionieren ist sie leiser geworden, und das beginnt nicht erst mit dem Erwachsenwerden. Es beginnt viel früher. Aber sie ist nicht weg.
Du hast sie nicht verloren. Du hast nur verlernt, sie wahrzunehmen und ihr zu vertrauen.
Und das ist auch kein Wunder. Wir leben in einer Zeit, in der Frauen quasi jegliche Möglichkeit haben, sich zu entfalten. Das gab es vorher so nie. Und ich feiere das mit jeder Faser meines Seins. Danke an alle Vorreiterinnen, die uns das ermöglicht haben. Ladys, es wurde sowas von Zeit.
Und gleichzeitig stehen wir jetzt vor einer neuen Challenge: in diesem wilden Leben, das wir „Alltag“ nennen, wieder zu uns zurückzufinden. Unter all den Möglichkeiten, Ablenkungen, Eindrücken wieder diese tiefere innere Stimme zu hören, die uns Frauen seit Anbeginn der Zeit begleitet.
Irgendwann sitzt du in einem traumhaft schönen Leben, von außen betrachtet quasi perfekt. Du hast auf dem Papier alles erreicht, was du immer wolltest. Und doch hast du tief in dir eine Sehnsucht, die noch nicht gestillt ist. Da ist noch was offen.
Und genau da hilft oft nicht noch ein Onlinekurs, nicht noch mehr Supplements (und ja, das sage ich :))) und auch nicht eine noch perfektere Morgenroutine.
Genau an diesem Punkt meldet sich deine innere Wolfsfrau. Deine Intuition. Die Stimme deiner Seele. Und die hat oft ganz unterschiedliche Gesichter. Mal betritt sie als Frau Super-Dauer-Gereizt die Bühne, mal als Miss Müde, mal als Lady Mir-tut-alles-weh oder als Misses Migräne. Aber ganz oft ist sie auch nur ein ganz leises Flüstern aus einer der hintersten Ecken deines Inneren.
Genau dafür ist diese Kolumne da
Jeden Monat ein Thema, das dich erinnert, was du in Wirklichkeit schon weißt. Das zeigt, wo du dir selber schon viel länger nicht mehr zuhörst, als du dachtest. Und je öfter du dieser Stimme folgst, desto klarer wird sie. Desto schneller erkennst du, wo du klein spielst, obwohl sich gerade deine innere Titanin erheben wollte, wo du Dinge tust, die nicht mehr zu dir passen, und was schon längst Zeit wird, dass du dir sowas von erlaubst.
Ich erinnere mich an fast jede wichtige Entscheidung in meinem Leben, bei der in meinem Inneren einfach irgendwas „Hurra“ oder „ui, spannend“ oder sogar nur „ich hab nicht die geringste Ahnung warum, aber ich muss DA hin“ geflüstert hat. Ganz ehrlich, rein objektiv betrachtet, haben diese Entscheidungen im ersten Moment oft null Sinn gemacht. Und guess what: genau DAS waren immer die wichtigsten Turning Points in meinem Leben.
Dein Impuls für diesen Monat
Wann hast du das letzte Mal auf ein Gefühl gehört, das du nicht erklären konntest? Was war es? Was hast du damit gemacht? Schreib es auf. Ab hier wird es spannend.
With love, Alex
Alexandra Braun ist Co-Kreatorin der Akademie für Lebendigkeit. Als Heilpraktikerin, PTA und Pharmazieökonomin kennt sie den weiblichen Körper aus drei Richtungen, aus der Apotheke, aus der Wissenschaft und aus der eigenen Praxis. Sie macht Frauen zu Expertinnen für ihren eigenen Körper, mit fundiertem Wissen zu Hormonen, Mikronährstoffen, Darm und zyklusbasiertem Arbeiten. Ihr Antrieb ist eine Frauenmedizin, die Frauen ernst nimmt.

