Mein Kopf sagte Ja. Mein Körper wusste, dass es ein Nein war.

Mein Kopf sagte Ja. Mein Körper wusste, dass es ein Nein war.

„Mein Kopf hat Ja gesagt. Mein Körper wusste längst, dass es ein Nein war.“

Kennst du diesen Moment? Du sagst zu, lächelst, nickst. Und während dein Mund noch „klar, mach ich“ formt, zieht sich in deinem Bauch etwas zusammen. Ein Ziehen. Eine Enge. Ein Gefühl, als würde sich etwas in dir wegdrehen.

Du hast es überhört. Wir alle haben gelernt, es zu überhören.

Dein Körper sagt Nein, lange bevor dein Kopf es darf. Er sagt es über die Schulter, die sich hochzieht. Über die Kopfschmerzen, die vom Nacken bis zur Stirn ziehen. Über das Ziehen in der Magengegend, das irgendwann zu einem Stechen wird. Über die Gereiztheit, die aus dir herausfährt und die du hinterher bereust.

Wir nennen das Symptome. Und behandeln sie wie Störungen. Wie etwas, das wegmuss, damit wir weitermachen können wie bisher. Aber was, wenn dein Körper nicht kaputt ist? Was, wenn er redet?

Die Wolfsfrau wohnt nicht in deinem Kopf. Sie wohnt in deinem Körper.

Ich sehe das jeden Tag. Frauen, die mir gegenübersitzen und sagen: „Mit mir stimmt was nicht.“ Dann schauen wir ins Labor, und ja, da sind Werte, die etwas erzählen. Hormone, die kippen. Nährstoffe, die fehlen. Das ist die eine Sprache, die messbare. Die liebe ich sehr, das weißt du eh.

Und es gibt eine zweite Sprache. Die kommt vor dem Labor. Sie meldet sich Monate, manchmal Jahre früher. Lange bevor ein Wert auffällig wird, weiß dein Körper schon, dass etwas nicht stimmt. Er flüstert. Dann spricht er. Und wenn niemand zuhört, schreit er irgendwann.

Wir Frauen haben das Zuhören verlernt, weil man es uns abtrainiert hat. Sei nicht so empfindlich. Stell dich nicht so an. Das bisschen. Reiß dich zusammen. Und irgendwann glaubst du es selbst. Du nennst dein eigenes Nein „Überempfindlichkeit“ und machst trotzdem.

Und dein Körper? Der merkt sich alles. Jedes übergangene Nein. Jedes „ich funktionier schon noch“. Er führt Buch. Und irgendwann legt er dir die Rechnung hin.

Die verspäteten Grenzwächter

Dein Zorn ist kein Überfall aus dem Nichts. Er ist die Quittung.

Stell dir vor: Die Schule fragt zum hundertsten Mal, ob du fürs Sommerfest backen kannst. Nicht einen Kuchen. Drei. Du hast keine Zeit, du weißt es in der Sekunde, in der die Nachricht aufploppt. Und trotzdem tippst du „klar, mach ich“. Über die eigene Grenze marschiert, mit wehender Fahne.

Eine Stunde später, zwei Stunden, am Abend, kippt deine Laune von null auf hundert. Du wirst zornig, gereizt, alles ist dir zu viel, jeder Handgriff nervt. Und du denkst: Was ist denn jetzt passiert? Es war doch gerade gar nichts. Doch. Es war etwas. Eine Stunde vorher. Du bist über eine Grenze gegangen, die hätte stehen bleiben sollen. Und jetzt rücken die Grenzwächter aus. Verspätet, aber sie kommen.

Wir dürfen uns Grenzen setzen. Und die hohe Kunst ist, sie auch zu halten. Die Schilder, die du für deine Seele, deine Zeit, deine Ressourcen aufstellst, dürfen stehen bleiben. Auch wenn jemand fragt. Auch wenn es leichter wäre, sie kurz umzulegen.

Die gute Nachricht: Diese Intelligenz ist nicht weg. Dein Körper hat nie aufgehört zu senden. Du hast nur gelernt, den Empfang abzustellen oder leiser zu drehen. Das lässt sich umkehren. Nicht über Nacht. Aber Stück für Stück.

Es beginnt damit, dass du anfängst, deinem Körper wieder zu glauben. Dass die Enge im Bauch keine Einbildung ist. Dein Körper lügt nicht und er übertreibt nicht. Er sagt dir die Wahrheit, oft bevor dein Verstand bereit ist, sie zu hören. Dein Bauch trägt mehr Nervenzellen in sich, als du denkst. Wenn er sich meldet, dann nicht, weil ihm fad ist.

Hör hin. Bevor er lauter werden muss.

Dein Impuls für diesen Monat

Denk an eine Situation, in der dein Körper Nein gesagt hat, bevor dein Kopf es zugelassen hat. Die Enge, das Ziehen, die plötzliche Müdigkeit, der Zorn aus dem Nichts. Was war es? Und was wäre passiert, wenn du ihm geglaubt hättest? Schreib es auf. Und das nächste Mal halte eine Sekunde inne, bevor du dich überstimmst.

With love, Alex

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Über die AutorinAlexandra Braun

Alexandra Braun ist Co-Kreatorin der Akademie für Lebendigkeit. Als Heilpraktikerin, PTA und Pharmazieökonomin kennt sie den weiblichen Körper aus drei Richtungen, aus der Apotheke, aus der Wissenschaft und aus der eigenen Praxis. Sie macht Frauen zu Expertinnen für ihren eigenen Körper, mit fundiertem Wissen zu Hormonen, Mikronährstoffen, Darm und zyklusbasiertem Arbeiten. Ihr Antrieb ist eine Frauenmedizin, die Frauen ernst nimmt.